Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Johannis Sandstedt
Die Gründung des Kirchspiels

Die erste Kirche wurde zwischen 1043 und 1059 zur Zeit des Bremer Erzbischofs Adalbert des Großen als Tochterkirche von Bramstedt gegründet. Sie ist die älteste Kirche im Land Osterstade. Ihr Patron ist Johannes der Täufer und zeichnet sie damit als Missions- und Taufkirche aus.

Der ursprüngliche Standort der Kirche war bis 1419 direkt an der Weser, nördlich des jetzigen Sielhafens. Wegen fortschreitender Landabbrüche am rechten Weserufer versank die Kirche und ein Teil des Dorfes in der Weser.  Als man 1420 an dieser Stelle die neue Kirche errichtete, holte man die alten Steine aus dem Schlick und verbaute sie neu. Das Fundament dieser Kirche besteht aus Werksteinen und die man außen auch noch sehen kann. Das umlaufende mittige Natursteinband mit den Quadersteinen(viereckige Sandsteine, sogenannte Raseneisensteine) erinnert ganz elementar an die alte Kirche. So ist die alte Kirche in der neuen präsent.

Um 1540 wurde Sandstedt mit den Dörfern Rechtenfleth, Offenwarden und dem Moor evangelisch (1517 war der Thesenanschlag von Martin Luther).

Der gedrehte Turm



Der Bau des Turms wurde 1613 vollendet. Damit ist er jetzt quasi 400 Jahre alt.  Da es nachweisbar eine Turmuhr von 1587 gab, ist zu vermuten, dass es einen Vorgängerturm gab, welcher ersetzt worden war.

Die Grundfläche des heutigen Turms beträgt 8 x 8 m. Die Mauerstärke ist unten 1,80 m und oben 0,90m. Das Mauerwerk ist 16 Meter hoch, der Helm hat eine Höhe von 33,55 m zuzüglich der Wetterfahne (ingesamt 52,50 m hoch)

An der Westseite des Turmes (Richtung Weser) befinden sin in halber Höhe 6 Wappen aus der Erbauungszeit. Es handelt sich um das Wappen des damaligen Pastors Thomas Oesterreich (die untere Hälfte hat einen Stern, oben ist ein zunehmender Halbmond); der Kirchenvorsteher Johan Hoen aus Offenwarden (ein Huhn); der Kirchenvorsteher Wirk Betken aus Rechtenfleth (3 zunehmende Halbmonde); Eilert Allmers aus Sandstedt (links halber Adler, rechts eine Rose); Hinrick Siren wohl aus Rechtenfleth (aufrechtes Schwert) und Harmen Stover aus Offenwarden laufender Hund).

Auffallend ist die Drehung der Turmspitze.  Der Verdrehungswinkel beträgt ca. 22 Grad. Die gefällten Eichenstämme wurden nach zu kurzer Ablagerungszeit verbaut und durch die Trocknung verdrehten sich die Sparren.

Die Art der Verstrebung in der Turmspitze entstammt aus dem Schiffsbau und ist original erhalten. Dies stellt eine absolute Rarität dar, da solche Holzturmhelme meistens durch Blitzschläge oder durch die Kriege irgendwann mal komplett abgebrannt waren.

1869 wurden Verstrebungen (Andreaskreuze) zwischen die Sparren eingebaut, um den Stillstand der Verdrehung zu erreichen.

Im Jahre 1902 wurde durch einen Blitzschlag die Turmspitze zerstört. Beim Wiederaufbau wurde der oberste Teil um 1,50 m höhenvermindert. 1902 wurde ein Schieferdach aufgebracht. Vorher war es vermutlich entweder ein Bleidach  oder mit Holzschindeln eingedeckt.

1980 wurde der Turm saniert  und die originale Spitze mit der alten Höhe (52,50 m) rekonstruiert. Dadurch ist  allerdings leider in der Spitze die Drehung nicht mehr vorhanden. Der Turm wurde mit Kupferblech bedeckt.

1999 – 2001 wurde das Kirchenschiff außen und innen gründlich renoviert und restauriert.