Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Johannis Sandstedt

Die Glocken im Sandstedter Kirchturm

Drei Glocken hängen im hölzernen Glockenstuhl im letzten Geschoss des gemauerten Kirchturms
in ca. 22 m Höhe:

Die große Glocke

wurde im Jahr 1801 von Johann Philip Bartels in Bremen gegossen. Durchmesser 1,26 m; Höhe 0,94 m; Gewicht: 1.299 kg, am Wolm fünf spitze Stege.
Unter der Haube ein 6 cm hoher Fries im Regencestil; am langen Feld eine sechszeilige Kapitalinschrift.

MIR WARD DAS ERNSTE GESCHÄFT DEN FLUG DER ZEITEN ZU EHREN, DENN EINE ZUNGE GAB MIR DER KÜNSTSLER DER JUNGST MICH SCHUF / 
ICH LAD EUCH EIN ZUM GEBET ZUM VORTRAG HIMMLISCHER EHREN; ERKAUFT DIE KOSTBARE ZEIT, FOLGT WILLIG DEM SEGNENDEN RUF / 
UND WISSET IHR STERBLICHEN DAS MEIN KLAGEND TRAUERGELÄUTE DEN HINGAN ZUR EWIGEN RUH, DEN MÜDEN PILGER BEDEUTE. / 
NACHDEM DIESE GLOCKE IN DEN JAHREN 1734, 1740 UND 1746 GEBORSTEN UND UMGEGOSSEN WORDEN, IST SIE ABERMALS GEBEORSTEN UND IM / 
JAHRE 1801 AUF VERANSTALTUNG DES - HERRN PASTORIS – CARL GEORG HIERONIMUS BIEDENWEG UND DER JURATEN BOHL / 
KE SEBBEN HERMANN ALMERS UND WIERICH ALMERS GEGOSSEN VON JOHAN PHILIP BARTELS, IN BREMEN.

Vermutlich hat Pastor Biedenweg (1796 bis 1826 in Sandstedt), der Großvater (mütterlicherseits) von Hermann Allmers aus Rechtenfleth, den schönen Hexameter gedichtet. Er hat verschiedene Aufsätze und Gedichte veröffentlicht.
Die Glocke wurde im 2. Weltkrieg abgeliefert, jedoch glücklicherweise nicht mehr eingeschmolzen; sie kehrte 1947 zurück.

Sie dient als Gebetsglocke, läutet zu Beerdigungen und die vollen Stunden der Uhr werden auf ihr angeschlagen.


Die mittlere Glocke


Wurde 1957 bei der Fa. Rincker als Ersatz für die im Krieg eingeschmolzene Glocke gegossen. Gewicht 664 kg, unterer Durchmesser 1,06 m.
Die Inschriften lauten:
LOBE DEN HERRN MEINE SEELE UND VERGISS NICHT WAS ER DIR GUTES GETAN HAT +  PSALM 103, VERS 2

ANSTELLE DER IM KRIEGE 1939-45 ABGELIEFERTEN GLOCKE VON DER GEMEINDE SANDSTEDT ERWORBEN UND AN MICHAELIS 1957 EINGEWEIHT +

Die eingeschmolzene Glocke war 1935 neu gegossen worden, nachdem die alte Glocke von 1670 gesprungen war. Sie trug folgende Inschrift:

O JESV DV KÖNIG DER EHREN KOM MIT DEINEM FRIEDEN. WEN DV MEIN LIEBER CHRIST DER KLOCKEN KLANG VERNOMMEN, SO SOL TU MIT ANDACHT ZUM HAVSE GOTTES KOMMEN. M. NICOLAVS CVLENIUS. PROPST VBERS GANTZE AMBT HAGEN: FIELAND: HERR –LICHKEIT STOTEL VND P.T. PASTOR PRIMARIUS. S. – v. H. NICOLAVS UNDEUTSCH: P.T. PASTOR: DIE H. JURATEN. DIERICH RÖNNCKEN. OTTO SCHWOGEN. SIRICH FIXEN.
FOLMECHTINGEN: NACKE VOGE CVSTOS: M.PETER VILTER ME FECIT ANNO 1670.


Die kleine Glocke


stammt von 1868. Durchmesser 0,84 m; Höhe 0,62. Unter der Haube ein Eichenblattfries und darunter ein Weinlaubband. Folgende Inschrift:

KIRCHENVORSTEHER SUPERINTENDENT EICKENRODT, ORGANIST WOLTERS. FR. BOETTGER * / FR. DRESSELHAUS. HR. MENSING, HR. ALLMERS, DR FECHTMANN: J. TIENKEN./
GEGOSSEN VON J P. BARTELS IN BREMEN
SANDSTEDT 1868 - * EHRE S.G.I.D.HOEHE * FRIEDE AUF ERDEN *

Sie dient als Uhrschlagglocke für die Viertelstunden und für das Gebetsläuten um 8 Uhr, 12 und 18 Uhr.

Die Glocke ist unter anderem deswegen interessant, weil auf ihr der Marschendichter Hermann Allmers aus Rechtenfleth verewigt ist, der von 1865 bis 1868 Kirchenvorsteher (Jurat) war.

Nachricht von einer vierten Glocke


Der noch ursprüngliche Glockenstuhl aus dem Ende des 16. Jahrhunderts bietet Platz für vier Glocken und zeugt somit von großem Reichtum der damaligen Gemeinde.
Im 19. Jahrhundert wird die Inschrift einer lange verlorenen Glocke überliefert
Sie trug folgende Inschrift:

KATHARINE BIN ICK GENANNT. ST: JOHANNES HEFT MI LATEN UMGETEN DO CORT WITMER; JOHANN HINKE M.B.K. UND HINRIK SYBE WERDEN VORSTENDE DER KERKEN TO SANDSTEDE IN GADES EHRE 1596. PASTOR ADAMUS ET JOHANNES EMIL HEISENIUS CUSTOS:

Das ist historisch aus drei Gründen interessant:

Die Katharinenglocke stammte wahrscheinlich noch aus katholischer Zeit (vor 1540) und der Patron Johannes (der Täufer) wird als Sandstedter Kirchenpatron genannt.

Zum anderen kennt man so den Namen des damaligen Pastoren Ernst Adam, der von 1546 bis 1596 in Sandstedt amtierte und höchst wahrscheinlich der erste evangelische Geistliche der Gemeinde war.

Wie bedeutend die Stellung des Küsters (Custos) war, erkennt man daran, dass er namentlich auf der Glocke erwähnt wurde (wie auch noch 1801 auf der großen Glocke).

Pastor Diederichs-Gottschalk, August 2005


Die Sage von der Glockenkuhle bei Gackau

Als die Kirchenglocken aufkamen, bekamen sie alle einen Namen. Die Bramstedter Glocke hieß Margarete. Die Sandstedter Glocke katte keinen Namen erhalten. Beleidigt sprengte sie das Turmdach und flog davon. Auf ihrem Flug kam sie am Bramstedter Turm vorbei und rief der dort hängenden Glocke zu:"Margarete wullt du mit?" Diese erwiderte jedoch:"Nä, hier will ik blieben, bit Bramste schall na Sandste drieven." Daraufhin noch mehr erbost, stürzte sich die Sandstedter Glocke in den Gackauer Mühlenteich, wo sie bis heute liegen soll. Bewacht von einem schwarzen Hund mit glühenden Augen. In sternklaren Nächten soll es seltsam aus dem Mühlenteich herauf klingen: Das Sehnsuchtslied der Glocke aus Sandstedt.