Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Johannis Sandstedt

Pastor Dr. Dietrich Diederichs-Gottschalk 1993 - 2012



Pastor Dr. Dietrich Diederichs-Gottschalk (geb. 04.07.1950) war von 1993 bis 2012 als Pastor in Sandstedt tätig. Meistens wird er wegen seines langen Namens „Di-Go“ genannt. 


Aufgewachsen ist  DiGo in einem kleinen Dorf am Harz. Nach seinem   Studium in Göttingen absolvierte er von 1976 - 1978 sein Vikariat am Münster in Einbeck. Danach  trat er seine erste Pfarrstelle in Westerholt im Kirchenkreis Harlingerland in Ostfriesland an, wo er  von 1978 bis 1982  blieb. In den Jahren von 1982 – 1985 war DiGo Schulpastor am Berufsschulzentrum Norden.


Danach zog die Familie Gottschalk nach  Loxstedt, wo DiGo Schulpastor am Gymnasium Loxstedt mit einer ½ Gemeindestelle in Loxstedt-Nesse war.  1991 wechselte  DiGo  nach Nordholz, wo er neben der Gemeindearbeit   am dortigen Bundeswehrstandort ehrenamtlich auch Aufgaben in der Militärseelsorge beim MFG III übernahm.  1993 erfolgte der Umzug nach Sandstedt.


DiGo wird von einigen als „Querdenker" bezeichnet, weil er auch neue theologische  Wege in Sandstedt beschritt. Er führte in Sandstedt die jährliche Wesertaufe zum Johannistag ein, er feierte zu den Erntedankfesten die Gottesdienste auf Bauernhöfen,  hielt beim jährlichen Hafenfest am Himmelfahrtstag die Gottesdienste im Zelt am Hafenbecken und bei Jubiläen der Schützenvereine in den Schützenhallen. Pastor Diederichs-Gottschalk  kämpfte immer wieder um den Erhalt der Weserfähre und führte den jährlichen Fährgottesdienst mit Taufen auf der Weser gemeinsam mit der Kirchengemeinde Golzwarden ein.


Außerdem ist DiGo ein hervorragender Kunsthistoriker und leitete fachmännisch die Kirchenrenovierung und die Restaurierung der wertvollen Kalkmalereien in den Jahren 1999 bis 2001. Ihm verdankt  die Gemeinde auch die von ihm stillschweigend durchgeführte fachgerechte Restaurierung zahlreicher Bilder. Diese Fertigkeit hat  DiGo von seinem Vater,  dem Maler und Restaurator  Carl Diederichs  gelernt.


Zusammen mit vielen Bürgern kämpfte DiGo gegen die Ansiedlung einer Atomwäscherei „Dekonta“. Zuletzt wurde auf seine Initiative hin das Kunstprojekt „Kirche – Kunst und ich“ im Jahre 2010 gestartet, bei welchem Portraits, gemalt von dem Bremer Künstler Peter K.F. Krueger,   in der Kirche aufgehängt werden, um auch die Gegenwart in die historische Kirche aus dem Mittelalter zu holen.


Verheiratet ist er mit Dr. Felicitas Gottschalk, die sich als Prädikanten und Leiterin der Frauen- und Seniorenkreise  viel ehrenamtlich einbrachte. Auf ihre Initiative hin begab sich der Frauenkreis auf die „Spurensuche“ jüdischer Mitbürger in Sandstedt, welche ihren Höhepunkt in einer Ausstellung im August 2004 und der Verlegung der ersten „Stolpersteine“ durch den Kölner Künstler Gunter Demnig in einem Dorf  am 26. August 2004 fand.


Jetzt leben Gottschalks in Padingbüttel hinter dem Deich.

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Pastor Walter Holthusen  1976 - 1992


Pastor Walter Holthusen, geb. 14.2.1947 in Stade, war von 1976 bis 1992, also 16 Jahre,  Pastor in unserer Gemeinde und in Wersabe. Sein Lebenslauf sieht so aus:

  • Nach der Bundeswehrzeit Studium in Göttingen, Wien und Erlangen. Vikariat in Göttingen und im Predigerseminar Imbshausen. Ordiniert am 25.1.1976 in Sandstedt. 
  • 1976 bis 1992 Pastor in Sandstedt und Wersabe.
  • 1992 bis 2003 Pastor in Tarmstedt, Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck.
  • 2003 bis 2010 Pastor in Backemoor und Breinermoor, KK Rhauderfehn.
  • Seit 2010 im Ruhestand in Verden.

 Wichtige Stationen in den Jahren seiner Amtszeit in Sandstedt und Wersabe waren:

  •  1976: im März Einweihung des Gemeindesaales im alten Pfarrhaus in Wersabe.
  • Unter Leitung von Pastor Holthusen wird im April der Singkreis wieder aktiv.
  •  Im Oktober wird erstmals die Erntedanksammlung als Haussammlung durchgeführt.
  • 1977: Ankauf des bisherigen Schulhauses in Sandstedt als Gemeinde- und Pfarrhaus.
  • Die Passionsandachten werden reihum in den Außenorten zum Teil in Privatwohnungen gefeiert.
  • Einbeziehung der Schwesternstation Sandstedt in die Sozialstation Beverstedt-Hagen.
  • 1978: In Wersabe wird für die schadhafte Eisenglocke wieder eine Bronzeglocke geweiht.
  • In Sandstedt wird mit der Altenadventfeier das Gemeindehaus an der Kirche bezogen.
  • Im alten Pfarrhaus wird das „Huus for de Gören“ eingerichtet. Mit dem Kinderheim wurden verschiedene Theater- und Musikprojekte durchgeführt.
  • In Rechtenfleth entsteht eine Initiative zum Bau einer Friedhofskapelle. Aus dieser Initiative geht später der Heimatverein hervor.
  • 1979: Beginn der gemeinsamen Gottesdienste in der Schützenhalle in Offenwarden mit den Posaunenchören
  • Ab 1979 werden im Januar und Februar die Gottesdienste in den Gemeindesälen gefeiert.
  • 1980: Große Turmreparatur in Sandstedt, nachdem Schieferplatten vom Turm herabgefallen waren        und zur Gefahr für die Friedhofsbesucher wurden.
  • Die beiden Gruppen des Kinderspielkreises in der Trägerschaft der Kirchengemeinde erhalten neue Räume im alten Schulhaus in Rechtenfleth.
  • Auf dem Friedhof in Rechtenfleth wird am 1. Advent die Glocke eingeweiht.
  • 1981: Neupflasterung der Wege auf dem Friedhof Sandstedt.
  • 1982: Instandsetzung und Restaurierung historischer Grabsteine in Wersabe.
  • 1983 bis 1985: Vikariat von Christa Vorwerk.
  • 1985: Innenrenovierung der Wersabeer Kirche mit Neugestaltung des Altares.
  • In Wersabe bildet sich ein neuer Frauenkreis mit jüngeren Frauen.
  • 1986: Vervollständigung der Orgel in Sandstedt durch Einbau des Brustwerkes durch Fa. Führer aus Wilhelmshaven.
  • 1987 bis 1988: Vikariat von Michael Maschke. In seiner Zeit in Sandstedt wurde der Dachboden vom Nebengebäude hinter dem Pfarrhaus zum Jugendraum ausgebaut.
  • 1987: Beleuchtung des Kirchturmes in Sandstedt.
  • Erst nach dem Weggang von P. Holthusen wurde das Glasfenster in der Wersabeer Kirche eingebaut.
  • Die Kirchengemeinden Sandstedt, Wersabe, Uthlede und Wulsbüttel unterhielten Kontakt zur Kirchengemeinde Ursprung bei Karl-Marx-Stadt/Chemnitz in Sachsen
  •  Eine ganze Reihe von Konzerten und Orgelmusiken fand im Laufe der Jahre statt.

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Vakanz 3 1/2 Jahre

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Pastor Gottfried Kramer 1971 - 1973

Pastor Kramer wurde am 14.12.1943  in Lintorf, Kreis Wittlage geboren. Er studierte in Hamburg, Tübingen und Göttingen und war anschließend in Sottrum und in Rotenburg Vikar. Er wurde am 1. August 1971 in Sandstedt ordiniert und als Pastor für die beiden Kirchengemeinden Sandstedt und Wersabe eingesetzt. Während seiner Dienstzeit lebte er mit seiner Familie in dem alten Pfarrhaus. Der Sohn Florian war 1970 geboren und der Sohn Tobias 1973.
Pastor Kramer wurde am 1.6.1973 auf seinen Wunsch hin nach Scheessel aud die III. Pfarrstelle im Kirchenkreis Rotenburg versetzt. Von Sommer 1976 bis Januar 1982 war er Pastor der III. Pfarrstelle der Kirchengemeinde Beverstedt mit Dienstsitz  in Lunestedt.
1982 übernahm Pastor Kramer die Leitung der Kasseler Bundeszentrale des VCP(Verband Christlicher Pfadfinder/Innen. Nach dieser Zeit kehrte er 1986 zurück in die hannoversche Landeskirche in das Pfarramt Speele/Lutterberg.
Seit 2007 befindet sich Pastor Kramer im Ruhestand und lebt in Altenmedingen.

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Pastor Hans-Michael Grimm 1967 - 1970


Pastor Grimm, geboren am 30.04.1935,  studierte in Bethel, Göttingen, Basel und in Hamburg. Sein Vikariat absolvierte er im Kirchenkreis Peine und auf dem Predigerseminar Erichsburg. Vom 1.6.1967 bis zum 1.11.1970 war er als Hilfspfarrer beim Superintendenten für den Kirchenkreis Wesermünde Süd mit der Pfarramtlichen Versorgung von Sandstedt und Wersabe betraut. Am 1.11.1970 übernahm er eine neue Pfarrstelle in Wenden bei Braunschweig. Dort war er bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1997 Pastor. Seit Dezember 2012 wohnt Pastor Grimm in Saarbrücken.

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Pastor Busso von Blanckenburg 1956 - 1966


Pastor Busso von Blanckenburg wurde am 7.1.1926 in Cardemin / Pommern geboren. Seine Ordination erfolgte am 11.10.1955 in Hannover.
1955 war er Hilfspfarrer in Hannover an der Neustädter Kirche. Ab 1956 war er Pfarrer in Sandstedt.1966 wurde Pastor von Blanckenburg Militärpfarrer für den Standort Hannover an der Heeresoffiziersschule in Langenhagen. Er verstarb in Hannover am 3.8.1973.

In der Chronik von Sandstedt heißt es:


"Pastor von Blanckenburg hielt am 9. Oktober 1966 seine Abschiedspredigt, nachdem er bereits seit dem 1.6.1966 als Wehrmachtspfarrer an der Heeresoffiziersschule in Hannover - Langenhagen tätig war. Am 1.10. ist er mit seiner Familie nach dort verzogen. Während seines 10 jährigen Hierseins hat er durch unermüdliches Wirken viel für die Gemeinde getan. Die Kirche wurde renoviert und eine moderne Heizung eingebaut.Die Orgel wurde neu gebaut und im Turm ein elektrisches Läutewerk beschaffen.Am Pfarrhaus wurde ein neues Nebengebäude mit Gemeindesaal und Organistenwohnung und für die Schwesternstation ein neues Wohngebäude errichtet. Durch verständnisvolles Mitarbeiten des Kirchenvorstandes und durch finanzielle Hilfe des Landeskirchenamtes wurden ihm die Ausführungen seiner verschiedenen Projekte erleichtert. Auf seine Initiative ging auch die im Frühjahr 1966 vorgenommene Aufforstung einer etwa 6 ha großen Oedlandfläche der Pfarrländereien zurück.

Er gründete einen Posaunenchor, einen Frauen- und Jugendkreis, förderte den Singkreis und hat durch Einführung eines Dorfseminars viel für die geistige Anregung der Ortseinwohner getan.
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Die Gemeinde kann ihm für alles, was er hier geschaffen hat, dankbar sein."

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Pastor Wolfgang Harald Schäfer 1947 - 1955


Pastor Schäfer wurde am 7.8.1913 in Großwelka / Sachsen geboren. Er wurde am 2.5.1943 in Meißen ordiniert. 1943 war er Hilfspfarrer in Strahlwalde, 1943 Pfarrer in Bernstadt und 1944 Pfarrer in Dobra. 1946 wurde Pastor Schäfer mit der Versehung von Beverstedt beauftragt und 1947 mit der Versehung von Sandstedt. 1949 wurde er Pastor von Sandstedt und blieb dort bis zu seinem Wechsel im Jahre 1955 nach Hannover an die Dreifaltigkeitskirche.
Pastor Schäfer machte sich besonders um die Erneuerung des gottesdienstlichen Lebens verdient. Ihm verdankte die Gemeinde die Einführung der neuen Gottesdienstordnung (1952). Das neue Gesangsbuch wurde in Sandstedt bereits seit 1951 benutzt.Er leitete selbst den Singkreis. (Quelle: Gemeindebuch für den evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Wesermünde-Süd, 1957)

Pastor Schäfer verstarb am 25.3.1976 in Hannover.

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Pastor Hans Reinhard Bunnemann 1936 - 1947


Pastor Bunnemann wurde am 18.8.1908 in Karlsbad als Sohn des Pastors H. Bunnemann geboren. Er  war nach seinem Studium Stadtvikar in Neckarsulm / Württemberg. Im Oktober  1936 wechselte er zur Kirchengemeinde Sandstedt. In den Jahren 1939 - 1945 wurde er zum Kriegsdienst einberufen. Im Juli  1947 erfolgte die Berufung an das Landeskirchenamt in Hannover.  Im Landeskirchenamt lag der Schwerpunkt seiner Arbeit in der Versehung des Missionsdezernates. Hier hat Pastor Bunnemann als Oberlandeskirchenrat besonders die Neuordnung der Verhältnisse der mit der hannoverschen Landeskirche verbundenen deutschen Gemeinden in Südafrika gefördert und dabei stets auf die Integration von Landeskirche und Mission hingewirkt.

 

Pastor Bunnemann verstarb kurz vor Vollendung seines 99. Lebensjahres am 9.8.2007 in Hannover.

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Superintendent Johann Gustav Küver 1923 - 1935

Superintendent Küver wurde am 24.7.1869 in Wulsdorf / Bremerhaven geboren. Nach seinem Studium war er Pastor Coll.(Lateinisch
collaborator = Mitarbeiter / Hilfsgeistlicher) in Dannenberg. Von 1899-1901 war er Pastor in Posthausen und von 1901-1918 Pastor in Bexhövede. Von 1918 bis 1923 war Herr Küver Superintendent in Jork. Anschließend wechselte er nach Sandstedt und war dort von 1923-1935 Superintendent. Als er in den Ruhestand verabschiedet wurde, wurde in Sandstedt die Superintendentur aufgelöst.
Superintendent Küver  verstarb am 4.12.1944 in Sandstedt und wurde wohl in Wulsdorf bestattet.

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Vakanz  ca. 1 Jahr

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Superintendent Wilhelm Karl Gottfried Ohnesorg 1887 - 1922



Superintendent Ohnesorg wurde am 27.10.1844 als zweiter Sohn des Postverwalters und Bürgermeisters Friedrich Ohnesorg und dessen Ehefrau Friederike, geb. Hasenbalg  in dem Klosterflecken Ilfeld / Harz geboren. Seit Abitur machte Karl Ohnesorg 1862 in Ilfeld. Ab dem Wintersemester  1862/63 studierte er Theologie in Göttingen. Sein  erstes theologisches Examen machte er 1865. Danach war er bis 1869 Hauslehrer in Marzhausen (südlich von Göttingen). Das zweite Examen folgte 1869.
Zunächst war Ohnesorg nach seinem Examen  Hilfspfarrer (Collaborator) in Pattensen von Januar bis Sommer 1870;  anschließend in Hannover an der Kreuzkirche vom Sommer 1870 bis Juni 1873 . Von 1873 bis 1875 war er zunächst Interimsprediger (Vertreter während Vakanz) in Soltau, dann wurde er Pastor in Wittlohe (Juli 1875-November 1887).

Im Dezember 1887 kam als Superintendent nach Sandstedt, wo er bis 1922, also 35 Jahre blieb. Seinen Ruhestand verlebte er in Hannover, wo er   am 24.08.1932 im Alter von 87 Jahren verstarb.

Über Superintendent Ohnesorg ist mehr bekannt, da er Aufzeichnungen über sein Leben gefertigt hat, die der Kirchengemeinde Sandstedt von den seinen Nachkommen zur Verfügung gestellt wurden. Diese wurden von Pastor Holtusen bearbeitet und vom Kirchenkreisamt Wesermünde 1992 gedruckt.

Hier folgt ein Auszug aus seinen ERINNERUNGEN über die Zeit in Sandstedt:


„Berufung zum Superintendenten

Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Es mochte Ende August oder Anfang September 1887 sein, da erhielt ich ein Schreiben des Generalsuperintendenten Steinmetz, in dem er mir eröffnete, daß ich für eine Superintendentur in Aussicht genommen sei, und mich ersuchte, zu näherer Besprechung mit ihm in Bremen (Albertis Hotel) zusammenzutreffen. Ich war wie aus den Wolken gefallen, an eine derartige Möglichkeit hatte ich nie gedacht, fuhr aber zu dem bezeichneten Termin nach Bremen, wurde dort aufs Freundlichste empfangen und hörte, daß ich für die Superintendentur und 1. Pfarre in Oederquart bestimmt sei. Ich äußerte meine ernsten bedenken und wies auf die mancherlei Vorzüge der Wittloher Pfarre, namentlich auch auf die Nähe von Verden, wohin wir unsere Kinder auf Schulen schicken könnten, und das ganz bedeutende Pfarrwittum hin, und so schieden wir voneinander, ohne daß ich eine bestimmte Zusage gegeben hatte. Aber statt daß ich über einzelne streitige Punkte weitere Nachricht erhielt, wurde mir vom Landeskonsistorium die amtliche Mitteilung gemacht, daß ich auf die Superintendenturpfarre in Sandstedt ernannt sei. (Es war ursprünglich beabsichtigt, des Sup. W. von Oederquart nach Sandstedt zu versetzen, man hatte aber in der Oberbehörde davon abgesehen und statt dessen mich für Sandstedt bestimmt.)

Ich hatte nichts dazu getan, ja mich gewehrt, so mußte ich es ja ganz als Gottes Fügung erkennen und ob ich auch meine ernsten Bedenken hatte, o ich den Ansprüchen des neuen Amtes gewachsen sein würde, so mußte ich doch denken: Ists so Gottes Wille, so wird ja seine Gnade auch in mir Schwachen mächtig sein! Leid ist es mir aber, daß meine guten Eltern diese Ehrung nicht erlebt hatten. Mutter war schon im November 1882 und Vater im Mai 1887 heimgegangen.

Auf den 31. Oktober war ich zum Halten der Aufstellungspredigt aufgefordert, und tags zuvor machte ich mich mit meiner Frau auf die ziemlich umständliche Reise nach dem uns völlig unbekannten Sandstedt a.d. Weser. Weser die jeglichen Stils entbehrende Kirche noch das ganz verwohnte  Pfarrhaus machten einen verlockenden Eindruck, und ein Blick auf die Weser wirkte bei dem stürmischen Wetter auf mich mehr abschreckend als gewinnend.

Die Aufnahme in dem bei der Kirche gelegenem Osterstader Hofe war eine überaus freundliche.


Das Gotteshaus war am folgenden Morgen sehr gut besucht und beim Verlassen desselben wirkte es geradezu versöhnend und wohltuend auf mich, daß mir an der Tür ein alter würdiger Greis tiefbewegt die Hand drückte und mich herzlich willkommen hieß. Darauf wurde ich von dem im Weserhof versammelten Kirchenvorstand mit dem stellvertretenden Vorsitzenden P. Fromme, Wersabe, aufs Freundlichste begrüßt. Mit tunlichster Beschleunigung wurden nun alle Formalitäten erledigt und meine Einführung auf den 3. Adventssonntag, den 11. Dezember angesetzt.

In der Gemeinde Wittlohe erregte meine Ernennung und mein Fortgehen nicht nur sichtliches Bedauern, sondern Entrüstung, daß die Behörde ihr den von ihr einstimmig gewählten Pastor gegen ihren Willen nehme, und der Kirchenvorstand versuchte sogar beim Superintendenten dieserhalb beschwerdeführend vorstellig zu werden – natürlich ohne jeden Erfolg. Mir selbst wurde das Scheiden von der mir ans Herz gewachsenen Gemeinde unsagbar schwer.

Superintendent in Sandstedt

Für die Zeit des Umzuges waren die Kinder zu den Großeltern nach Munster geholt; nach dem Abfahren der Möbelwagen fuhr Mutter mit ihrer Schwester Lottchen nach Sandstedt, um dort das neue Heim einzurichten; ich holte die Kinder in Munster ab und fuhr mit ihnen am 8. Dezember erwartungsvoll mit der Bahn bis zur Station Stubben, von wo wir abgeholt werden sollten. Wie groß war da die Überraschung, als wir nicht nur von der lieben Mutter, sondern einer großen Anzahl von Sandstedter Gemeindegliedern empfangen wurden, die mich mit einer herzlichen Ansprache des Organisten Prigge aufs Freundlichste begrüßten. Sie hatten den 22 km weiten Weg nicht gescheut, ihren neuen Seelsorger abzuholen und in ehrenvoller Corsofahrt (voran Landauer mit Familie Ohnesorg und dahinter 15 Wagen) in das neue Heim zu geleiten. Aber damit nicht genug! In Sandstedt waren vom Dorfanfang  bis zum Pfarrhause 7 prächtige Ehrenpforten errichtet, durch die der feierliche Zug durch den Ort zum geschmückten Heim ging. Mein Herz war auf das Tiefste gerührt und voll innigen Dankes über solch  ehrenden, von freudigen Vertrauen zeugenden Empfang und das von einer Gemeinde, die mich nicht kannte und erst abwarten mußte, wie ich ihren Hoffnungen entsprechen würde. Das mußte ich doch als ein freundliches Gottgeben erkennen, das meinen Abschiedsschmerz von der alten Gemeinde lindern und mir den Anfang des neuen Lebens und Wirkens leicht machen sollte!


Und wie war ich nun auch freudig überrascht, als ich das neue Heim, das ich von meiner ersten Besichtigung in so übler Erinnerung hatte, durch das umsichtige liebevolle Bemühen meiner guten Cornelie so wohnlich und behaglich eingerichtet fand. 


Am folgenden Sonntag (Dom Adv III), den 11. Dezember, wurde ich in der reich geschmückten Kirche, deren Emporen durch Notpfeiler gestützt waren, vor gedrängt versammelter Gemeinde durch den Herrn Generalsuperintendenten D Steinmetz unter Assistenz der PP Fromme / Wersabe und Tomfohrde / Büttel, feierlich in mein neues Amt eingeführt. Die Kirche behielt während der Weihnachtszeit noch ihren Schmuck und soll bei dem Christabendgottesdienst in ihrem Tannengrün beim Glanz des strahlenden Christbaumes und der übrigen Kerzen einen wahrhaft bezaubernden Anblick gewährt haben.

Kirchenvorstand

Bei der entgegenkommenden Aufnahme in der Gemeinde wurde es mir leicht, Eingang zu finden, und bei dem Kirchenvorstande wurde meinen vorgetragenen Wünschen williges Gehör und Verständnis entgegengebracht. So gleich in einer der ersten Sitzungen den von mir ausgesprochenen Vorschlägen, daß für den Altar ein fehlendes Kruzifix angeschafft werde, daß der Sonntag am Sonnabendabend eingeläutet werde und dafür das 2te von den 3 Geläuten am Sonntag-Morgen  wegfalle und daß der Unterschied in dem Beläuten bei Sterbefällen unterbleibe. Bis dahin war es Herkommen, daß beim Tode von Hofbesitzern in 3 Pulsen 3 Stunden lang geläutet wurde, was abgesehen von der übertriebenen unberechtigten Ehrung für die bei der Kirche Wohnenden eine lästige Zumutung bedeutete. Es sei, da alle im Tode gleich seien, viel angemessener, wenn für jeden Todesfall ein Beläuten von ½ Stunde in 3 Pulsen festgesetzt werde und es dabei den einzelnen freistehen solle, ob mit 1 oder 2 oder allen 3 Glocken geläutet werde. Alle diese Wünsche fanden bereitwillige Aufnahme und sind, nachdem ich von der Kanzel davon Mitteilung gemacht hatte, auch auf keinerlei Widerspruch gestoßen. Auch die Besprechung etwa notwendiger Reparaturen am Pfarrhaus zeugte von verständnisvollem Wohlwollen der Kirchenvorsteher und führte dazu, daß schon im ersten Sommer meines Dortseins ein völliger Neubau des Wirtschaftsgebäudes zur Ausführung kam, der auch für die Wohnräume allerlei vorteilhafte Verbesserungen mit sich brachte.


Kirchenrenovierung

In diesem Zusammenhange will ich gleich erwähnen, daß auch mein Hinweis auf das reparaturbedürftige Innere der Kirche, das in Angriff genommen werden müsse, Verständnis fand und den erwünschten Erfolg hatte. Die mit ganz unregelmäßigen Gitterverschlägen versehenen Einzelstände wurden mit Zustimmung der Berechtigten entfernt und der Neubau der die ganze Nordseite einnehmenden Prieche und Orgelprieche ausgeführt, während der Versuch auf Beseitigung der über dem Altar befindlichen sogenannten „Löf“ infolge richterlicher Entscheidung zugunsten der Inhaber nicht ermöglicht werden konnte. Außerdem wurde der Südeingang der Kirche, der mit einer Art Stalltür, die mit einem Querbalken versehen war, der Benutzung entzogen war und – wie es hieß – nur bei Beerdigungen von Geistlichen zum Eintragen des Sarges geöffnet wurde, in würdiger Weise hergestellt und der allgemeinen Benutzung zugänglich gemacht. Der bei der gegenüberliegenden Eingangstür befindliche Vorbau wurde bei dieser Gelegenheit entfernt. Bald danach wurde die Heizung der Kirche ernstlich ins Auge gefaßt. Mit einigen Kirchenvorstehern wurden einige Kirchen mit Heizung besucht und Urteile über die gemachten Erfahrungen erbeten. 2 große Oefen wurden angeschafft, und wenn auch damit  Stubenwärme in der Kirche nicht erreicht wurde, so wurde doch diese Neuerung als eine große Annehmlichkeit allgemein empfunden.

Diese Einrichtung gab mir den Anlaß, die Taufen, die bis dahin, abgesehen von den Haustaufen, im Pfarrhause stattfanden, in die Kirche zu verlegen und in den Nachmittagsgottesdiensten zu vollziehen, so daß die Kinder genötigt waren, der heiligen Handlung beizuwohnen.

Singkreis


Gleich nach meinem Amtsantritt lud ich zur Bildung eines kirchlichen gemischten Gesangsvereins ein, an dem gesangslustige junge Leute aus allen Kreisen der Bevölkerung teilzunehmen willkommen sein würden. Der Gedanke, bei dem es mir mit darum zu tun war, den vorhandenen Klassenunterschied auszugleichen, fand sichtlich freudige Aufnahme, so daß am ersten Versammlungsabend der Konfirmandensaal gänzlich gefüllt war. Anfangs leitete ich selbst die Übungen, bald aber löste mich darin unser Organist ab. Die Teilnahme flaute bald ab und die Hoffnung auf Ausgleich der Standesunterschiede ging leider nicht in Erfüllung. Manche aus dem Bauernstande blieben weg, weil sie nicht mit Knechten und Mägden zusammen singen wollten.


Schwesternstation

Das Bedürfnis, in so manchen Fällen eine Gemeindeschwester zur Verfügung zu haben, machte sich immer fühlbar, und zu meiner Freude fanden Hinweise darauf in meinem Synodalbericht in der Synode Verständnis, so daß es meinen Bemühungen endlich gelang, am 1. März 1899 die erste Gemeindeschwester für den Synodalbezirk anzustellen. Als Wohnung konnte sie die im sogenannten Backhause der Superintendentur, in dem sich unten das Konfirmandenzimmer befindet, hergestellten Räume beziehen. Das Gehalt der Schwester wurde durch eine jährliche Haussammlung in der Inspektion, durch eine jährliche Beihilfe aus den Überschüssen der Amtssparkasse, einen Zuschuß der Landesversicherungsanstalt beschafft. Dazu kamen die geringen Pflegegelder, die für die besitzende Klasse auf 60 Pfg, für die weniger Bemittelten auf 30 Pfg, für Nachtwachen auf 1 Mark, für die Unbemittelten auf umsonst festgesetzt waren. Trotz anfänglichen Widerspruchs auf manchen Seiten wurde doch der Segen dieser Einrichtung mehr und mehr erkannt, und es währte nicht lange, daß eine 2. Schwester für Hagen, Bramstedt und Wulsbüttel angestellt wurde.


Waisenhaus

Fast zur gleichen Zeit, als die erste Schwesternstation ins Leben trat, wurde die Frage der Notwendigkeit eines Armen- und Waisenhauses für den Gesamtarmenverband der Gemeinden Sandstedt, Rechtenfleth, Neuenlande und Büttel viel besprochen und erörtert. Die Armenlasten waren in kurzer Zeit auf jährlich 4.000 Mark gestiegen. Der zeitige Vorsitzende des aus den 4 Gemeindevorstehern bestehenden Vorstandes war ein entschiedener Gegner dieses Plans, dagegen griff der damalige Landrat diesen Gedanken mit lebhaftem Interesse auf. Das hatte zur Folge, daß der betagte Vorsitzende sein Amt niederlegte und ich vom Vorstand ersucht wurde, an seine Stelle zu treten. Dem eifrigen Bemühen des Gemeindevorstehers von Rechtenfleth, Friedr. Knoop, der überhaupt die treibende Kraft in der Sache war, gelang es sofort, einen Komplex Heideland in der Driftsether Feldmark zu kaufen, so daß mit dem Hausbau alsbald begonnen werden konnte.

Im Sommer 1902 war alles so weit, daß der Betrieb unter Leitung des Stephansbruders Luter eröffnet werden konnte.


Zu einem von mir anberaumten und geleiteten Termin waren alle bisher vom Verbande Unterstützten geladen und vor die Frage gestellt, ob sie in das Haus übersiedeln oder auf ferner regelmäßige Unterstützung verzichten wollten. Fast sämtliche Gefragten entschieden sich für das Letztere, wobei es freilich an sehr aufgeregten Verhandlungen nicht fehlte. In begreiflicher Scheu vor einem Armenhaus erklärte sich nur eine Witwe bereit, mit ihren Kindern in dasselbe überzusiedeln. Auch in der Folgezeit blieb es fast nur ein Erziehungsheim für Kinder – nicht nur aus dem Bezirk des Verbandes, sondern auch aus der näheren und weiteren Umgebung, für welch letztere natürlich ein angemessenes, wenn auch bescheidenes Kostgeld gezahlt wurde. Da die zuständige Schulgemeinde trotz früher in Aussicht gestellter Bereitwilligkeit die Aufnahme der Kinder in ihre Schule verweigerte, wurde mit Zustimmung der Schulbehörde der Hausvater nach vor mir als Kreisschulinspektor abgelegter Prüfung mit dem Unterricht betraut. Der Nachfolger desselben, Hausvater Feldmann, war im Stephansstift für das Lehramt ausgebildet und bereits einige Jahre in Südafrika als Lehrer tätig gewesen.

Schulhaus Sandstedt

Bei der Zunahme der schulpflichtigen Kinder in Sandstedt stellte sich immer mehr die Errichtung einer 2. Schulklasse und Anstellung eines 2. Lehrers als unabweisliche Notwendigkeit heraus. Die zuletzten Verhandlungen führten im Jahre 1895 zu dem vom Schul- und Kirchenvorstand gemeinsam gefaßten Beschlusse, an Stelle des auch als Wohnung des Küsters und Lehrers nicht geeigneten Hauses einen Neubau zu errichten, der 2 Klassenzimmer, Wohnung für den Küsterlehrer und für einen unverheirateten 2. Lehrer enthalte.


Für den Bau stellte der Kirchenvorstand das der Kirchengemeinde gehörende Grundstück der bisherigen Küster- und Lehrerstelle zur Verfügung, die Kosten des Neubaus, zu denen die Kirchengemeinde eine Leistung von 3.000 Mark zusagte, übernahm die Schulgemeinde mit der Verpflichtung, für den vorgenannten Zuschuß der Kirchenkasse die Wohnung als Wohnung des Küsters anzuerkennen. Bald darauf erfolgte auch in Rechtenfleth die Anstellung eines 2. Lehrers, was auch dort den Neubau zur Folge hatte.





Kirchhof

Erwähnen will ich hier noch, daß auch der Kirchhof in Sandstedt eine wesentliche Verbesserung erfuhr. Derselbe war im Westen und Süden von einem nach der inneren Seite mit einer 1 ½ m breiten Hainbuchenhecke bepflanzten toten Graben umgeben, der vielfach zur Ablage von allerlei Unrat diente. Zu meiner großen Freude wurde es in der Kriegszeit möglich, diesen Überstand zu beseitigen. Mit Hilfe der im Cassebrucher Lager internierten Kriegsgefangenen wurde zur Entwässerung des Moores der vorhandene ungenügende Entwässerungsgraben zu einem breiten Kanal erweitert und eine Röhrenschleuse über den Weserdeich angelegt. Das gewonnene ausgehobene Erdreich wurde zum Teil dazu benutzt, den Friedhofsgraben zuzuschütten. Zur Abführung der Abwässer wurde eine Röhrenleitung angelegt, deren Offenhaltung an der südlichen Seite durch Vertrag von dem Inhaber des Osterstader Gasthauses übernommen wurde. Die durch diese Einrichtung gewonnenen Plätze auf dem Kirchhofe wurden in öffentlichem Termine für festgesetzten Preis verkauft, wodurch die entstandenen Kosten völlig gedeckt wurden.


Familie

Nach diesen Abschweifungen wende ich mich wieder zu den rein zuständlichen Verhältnissen, wie sie sich in Sandstedt weiter gestaltet haben.Es war etwas ganz Außergewöhnliches, daß mit uns ganz fröhliches Kinderleben ins Sandstedter Pfarrhaus einzog, da bis dahin immer nur ältere Geistliche dort angestellt  waren; und daher erklärt es sich, daß unsere Kinderschar allgemeines Interesse erregte und mit viel Liebe überall aufgenommen wurde.

Wir Eltern dachten, daß deren Zahl mit dem Verlassen von Wittlohe abgeschlossen sei. Aber es sollte anders kommen. Am 19. Juni 1889 wurde uns wieder ein Söhnchen geboren(Fritz), welches uns aber Gottes Wille am 5. Januar 1890 wieder nahm. Am 6. Februar 1892 wurden wir wieder durch die Geburt eines Töchterchens erfreut (Else), und am 17. August 1892 schenkte uns Gott den reichen Segen eines Zwillingspärchens (Hans und Grete), ein Geschenk, das für die liebe Mutter bei der schon vorhandenen Kinderschar große neue Anforderungen und Mühen brachte, aber für die ganze Familie eine besondere Freude war.  Damit war jedoch der Kinderreichtum noch nicht zuende: Am 1. März 1895 wurde uns wieder ein Söhnchen geboren (Hermann), der am 12. Januar 1896 uns wieder bei einer stark auftretenden Diphtherieepidemie genommen wurde. Es schien so, als sollte uns auch für dieses liebe Kind noch ein Ersatz wieder geschenkt werden, aber es war ein totgeborenes Söhnchen, das uns am 23. Oktober 1896 geboren wurde.

Das ist des Kindersegens fast zu viel für ein Elternpaar, aber es war uns in demselben doch ein Reichtum geschenkt, für den wir stets von Herzen dankbar waren, besonders da die gute Mutter bei all den Nöten, die sie ausgestanden und all die Mühe, die sie gehabt, gesund und kräftig blieb und bei ihrer unermüdlichen Arbeitsfreudigkeit den Mut nicht verlor und mit bewundernswerter aufopfernder Liebe für das leibliche und geistliche Wohl der Kinder zu sorgen verstand und bestrebt war. Wir waren dankbar und fühlten uns besonders gesegnet bei dem Kinderreichtum, den uns Gott geschenkt, und haben viele glückliche Jahre beim Heranwachsen und Großwerden der und gebliebenen 9 Kinder verleben dürfen. Über den Bildungsgang und Lebenslauf und wie später nach einer Zeit voll Sonnenschein dunkle Wolken über unser Familienleben sich zusammenzogen und ein schwerer Schlag nach dem anderen uns getroffen, werde ich weiter unten berichten und hier zunächst aus der glücklich verlebten Zeit in Sandstedt noch einiges erwähnen.


25-jähriges Dienstjubiläum

Am 5. Januar 1895, dem Tage meiner Ordination, konnte dich auf eine 25 jährige Dienstzeit zurückblicken. Der Tag wurde in der Familie mit Lob und Dank begangen, es war aber zu der bei uns fälligen Familienkonferenz der Inspektion auf diesen Tag eingeladen, so daß wenigstens den Geistlichen mit ihren Frauen Gelegenheit gegeben wurde, an der Jubiläumsfeier teilzunehmen. Für mich war es ein Tag innigen Dankes für all den Segen, den mir Gott in diesen 25 Jahren pfarramtlichen Wirkens geschenkt hatte, und für alle Liebe, die mir in all den ingehabten Stellungen zuteil geworden war.


Silberhochzeit

Viel großartiger gestaltete sich die Feier unser vorher bekannt gewordenen Silberhochzeit am 26. Oktober 1900. Schon morgens begrüßte uns ein Ständchen des Wersabeer Posaunenchores unter Leitung des P. Frisius. Im Laufe des Tages stellten sich allerlei Gratulanten ein, und nachmittags erschienen die Amtsbrüder mit ihren Damen, von welch letzteren einige durch eine auf den Tag bezügliche Aufführung allgemeinen Beifall ernteten. Unsere Kinder erfreuten uns mit einer in großem Format gemachten photographischen Aufnahme, und von Geschwistern, Verwandten und Freunden wurden wir mit allerlei kostbaren Geschenken bedacht. Das war ein Familienfest schönster Art! Lobe den Herren!

Inspektion Sandstedt


Die Inspektion, zu deren Superintendenten ich ernannt war, führte bis dahin die Bezeichnung Inspektion Hagen. Auf Anregung des Generalsuperintendenten bei meiner Einführung stellte ich den Antrag bei der obersten Kirchenbehörde, diese Bezeichnung in Inspektion Sandstedt umzuändern, und ohne weiteres fand derselbe die höhere Genehmigung.

Silberjubiläum in Sandstedt

Zu einem unvergeßlichen Festtage gestaltete sich die Feier meines 25 jährigen Jubiläums als Pastor der Gemeinde und Superintendenten und Kreisschulinspektor der Inspektion am 11. Dezember 1912. Die Posaunenchöre von Wersabe und Uthlede eröffneten die Feier durch gemeinsames Blasen einiger Choräle, dann brachte die Post neben einer großen Anzahl von Gratulationen ein anerkennendes, wohlwollendes Schreiben des Konsistoriums und des Regierungspräsidenten. Kurz nach Tisch erschien der Kirchenvorstand von Sandstedt und überreichte mit einer Ansprache eine wertvolle Jardiniere als Geschenk der Gemeinde, um 3 Uhr traten die Amtsbrüder mit Frauen ins Haus und gaben ihrer freundlichen Gesinnung Ausdruck mit einer Ansprache und Überreichung eines kunstvollen Christuskopfes. Währenddessen hatten sich die sämtlichen Lehrer, teils weit herkommend, auf dem Hausflur eingefunden, sangen einen 4 stimmigen Lobgesang und bezeugten mit in einer längeren Ansprache ihre dankbare Anerkennung meines Wirkens als Kreisschulinspektor, von der mir die aufgestellte Standuhr ein bleibendes Zeichen sein möge. Selbstverständlich wurden alle Erscheinenden bewirtet, was für die sorgsame Hausfrau eine ziemliche, aber gern getragene Belastung war; die Pastoren mit Frauen blieben auf dringende Einladung auch zum Abendessen und während desselben hatten sich noch einige Ehepaare aus der Gemeinde eingefunden, welche noch eine gemütliche Stunde bei uns zubrachten. Das war ein frohbewegter Tag voll Lobens und Dankens für alle die Beweise dankbarer Liebe und freundlicher Anhänglichkeit! Am anderen Tag stellten sich auch noch die Lehrer von Sandstedt mit Schulkindern ein, von denen ein größeres Mädchen mit einigen wohlgesetzten Worten mir ein gerahmtes größeres Wandbild mit der Darstellung, wie Jesus die Kranken heilt, überreichte – mir ein besonders  wertvolles Zeugnis, wie viel auch die Jugend und deren Eltern von ihrem Pastor hielten, gab. „Ich bin viel zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die der Herr an seinem Knechte getan hat!“ 

Wie viel Ursache hatten wir zu danken und zu loben. Aber seit dem Heimgange unser lieben Grete hatte sich ein Schatten auf unser früher so sonniges und heiteres Familienglück gelegt, daß doch ein ernsterer Sinn sich durch all unsere Freuden hindurchzog. Und das sollte durch die bald folgende schwere Kriegszeit und deren schmerzliche niederbeugende Erlebnisse noch immer mehr sich geltend machen. 


Doch davon – so Gott will – später in einem besonderen Kapitel „Unsere Kinder“.  Zunächst will ich noch kurz über unseren weiteren Lebensgang berichten. Bei dem räumlich sehr ausgedehnten Bezirk der Kreisschulinspektion, in dem die Schule größtenteils nur mit gemieteten Fuhrwerk zu erreichen waren, fing  bei meinen zunehmenden Jahren dies Amt an, mir allmählich beschwerlich zu werden, besonders weil ich in Rücksicht auf den Wusch der Lehrer meine Revisionen fast ganz auf das Wintersemester verlegt – eine Praxis, die besonders in der Fastenzeit mich sehr in Anspruch nahm. So entschloß ich mich, um meine Entlassung als Kreisschulinspektor zu ersuchen und legte dies Amt am 1. Oktober 1916 nieder. Und wie gut das war, das sollte uns erst zum Bewußtsein kommen bei den Ernährungsschwierigkeiten in dem sogenannten Steckrübenwinter 1916/1917, die auch bei mir trotz meiner sonst so kernigen Gesundheit nicht spurlos vorübergingen, obwohl es an treuen Gemeindegliedern nicht fehlte, die ihr Pfarrhaus nicht im Stich ließen. Auch war es insofern die rechte Zeit, daß ich das Schulaufsichtsamt niederlegte, weil sich schon damals in der Lehrerwelt eine kirchen- oder besser pastorenfeindliche Gesinnung geltend zu machen begann. Besonders zu den Küsterlehrern, mit denen ich zu arbeiten hatte, bestand stets das beste Verhältnis, aber die Auseinandersetzungen des Küster- und Schulwesens führte in Sandstedt eine Spannung herbei, die sich trotz meines eifrigen Bemühens nicht wieder gelöst hat.

Und da bei der in Aussicht stehenden neuen Verfassung auch auf kirchlichem Gebiete mancherlei Neuerungen bevorstanden, so gab ich endlich dem Drängen meiner Angehörigen nach, dem Emeritierungsgedanken näher zu treten, zumal, da die schmerzlichen Heimsuchungen der Kriegsjahre, die so blutende Lücken in unsere Familie gerissen, auf mein Gemütsleben und meine Arbeitsfreudigkeit sich spürbar bemerklich machten. Darum wurde auch der Termin meines 50 jährigen Dienstjubiläums am 5. Januar 1920 von uns völlig geheimgehalten, und wir beschränkten uns darauf, den Tag fern von Sandstedt bei unseren Kindern in Bremerhaven im engsten Familienkreise still und dankbar zu begehen. Schwiegersohn Stisser hielt eine warmempfundene Andacht, und die Liebe unserer Kinder war bemüht, den Tag festlich zu gestalten. Vom Landeskonsistorium war ein ehrendes Schreiben eingegangen, und die Amtsbrüder der Inspektion gedachten meiner in einer übersandten Ehrengabe, da ihnen vorher bedeutet war, daß es unser Wunsch sei, von jeder Feier abzusehen. Sonst war der Tag ganz unserem Wunsche und Bemühen entsprechend nicht weiter bekannt geworden.

Abschied aus dem Dienst